Diskussion zur Schulreform: Wir diskutieren mit!
Am 4. Juni fand die Diskussionsveranstaltung zur Komplettsanierung des alten Schulsystems unter dem Titel „Eine kluge Stadt braucht alle Talente“statt. Auch wir wollten uns einen besseren Überblick über das Mamutprojekt "Schulreform" verschafften, und mischten ordentlich mit! Als Referenten waren zu Gast: Der SPD-Fachsprecher für Schulpolitik, Ties Rabe, und Jobst Fiedler, Professor der Hertie School of Governance.
Im Haus Brügge wurde wohl seit langem nicht so lebhaft diskutiert, wie es am 4. Juni zur Diskussionsrunde zum Thema Schulreform der Fall war. Nicht nur SPDler und Jusos waren an jenem Abend bei der Veranstaltung vertreten, auch viele Bürger brannten eine Menge Fragen unter den Fingernägeln. Viele nahmen daher die Chance wahr, sich auzustauschen und zu einer angeragten Unterhaltung beizutragen.
Die Fragenpalette erstreckte sich über beinahe jedes Themenfeld: Ob es um die Finanzierbarkeit-, Reduzierung sozialer Chancenungleichheiten-, oder der Verantwortung des zukünftigen Lehrpersonals ging, auf jede Frage wurde eingegangen. Das Thema Schulreform wurde aber auch von Jobst Fiedler, einer der Befürworter der Schulreform, nicht nur in den Himmel gelobt, denn "wie wäre es sonst zu erklären, dass das geplante Schulsystem auch auf Widerstand stößt"?
So bemängelt z.B. die Elternintiative "Wir Wollen Lernen!" u.a. dass Die Qualität der allgemeinen Hochschulreife im staatlichen Schulwesen bei Einführung der 6-jährigen Grundschule sinken würde. Man vertritt außerdem die Meinung, dass Kinder, die schneller lernen können und wollen, sinnvolle Bildung angeboten werden müsse, weshalb in Gymnasien die Klassen 5 und 6 auch weiterhin benötigt würden.
Fiedler, der "mithelfen will, dass es mehr Chancengerechtigkeit gibt, wenn Verteilungsgerechtigkeit schon nicht zu erreichen ist", begrüßt die Schulreform, denn "Deutschland schrumpft zusehends und kann es sich auf Dauer nicht leisten, nur eine Minderheit der Jugendlichen zum Abitur zu führen." Fiedler versuchte die Zuhörer mit den Folgen des demografischen Wandels zu überzeugen: "Ab 2020 wird man hier in Deutschland 20 Prozent weniger junge Menschen haben als heute", argumentierte Fiedler. Deswegen müssten Begabungsreserven gerade bei den Kindern aus den bildungsferneren Familien geweckt werden. Eine frühe Trennung nach Klasse vier, die leider oftmals dem jeweiligen Herkunftsmilieus des Kindes unterliege, sei problematisch und müsse entsprechend entgegen gewirkt werden.



